Beschreibung

Idee – Konzeption - © by Matthias Eule Kassel Juni 2005

„ Experiment Leerstandlabor “

Leere Läden

Die Läden sind winzig oder riesengroß, gepflegt oder verkommen, uralt oder hochmodern und alles dazwischen. Sie sind in den Geschäftszentren und in den Wohngebieten, in der Innenstadt und in den Randbezirken, sie sind überall, und es werden ständig mehr. Der Blick in die verlassenen Räume zeichnet ein irritierendes Portrait der Stadt und ihrer Bewohner. Man redet über vieles, wenn wieder einmal einer dieser blitzblanken Gebäudekomplexe eröffnet wird und die Besucher in die stille Leere eines 30 Meter hohen Innenhofes hineinstaunen, die noch von keinerlei Geschäftigkeit beeinträchtigt wird. Die Leere wird anscheinend nur kurzzeitig von Leben unterbrochen werden.

Der öffentliche Raum ist eine Bühne der Stadtgesellschaft, in ihm begegnen sich verschiedene soziale Schichten und Ethnien, hier können sie sich an Fremdes gewöhnen und Bekanntes wiedersehen. Das Stadtzentrum ist ein wichtiges Milieu für Lebens- und Freizeitgestaltung, eine Bühne für soziale Kontakte. Dem Einzelhandel kommt dort eine Schlüsselrolle zu: Er zieht Menschen in die Innenstädte, und er ist ein wichtiger Arbeitgeber. Grund genug, mit einer Gemeinschaftsinitiative etwas für den Erhalt der Innenstadt als Lebens- und Wirtschaftsraum zu tun. Das erklärte Ziel sollte sein, die Kreativität, die Wünsche und Bedürfnisse all derjenigen einzubeziehen und zu berücksichtigen, die in den Städten leben und arbeiten. Um unsere Innenstädte attraktiver gestalten zu können, wird es notwendig sein, die Kreativität und die Intelligenz der Bürgerinnen und Bürger einzubinden. Dies wird bis heute noch viel zu wenig getan. Denn nicht die Händler sind die zentrale Zielgruppe der Stadt, sondern die Menschen, die in die Stadt kommen.

Das Thema Innenstadt geht uns alle an. Je attraktiver, vielseitiger, abwechslungsreicher, spannungsreicher und lebendiger - damit sicherer - eine Innenstadt ist, umso sicherer sind die Arbeitsplätze.

Begreift man leere Läden als Schädlinge, dann ist "Leerstandsbekämpfung" wie der Ruf nach dem Kammerjäger.

Zwischenlösung:

Kultur im Leerstand.......!

Beispiel:

Die Belebung eines leerstehenden Ladengeschäftes ausstellungsähnlich durch Gemälde, Skulpturen oder Fotografien lokaler Künstler. Das in dieser Form belebte Geschäft kann auch als Plattform und Darstellungsmöglichkeit der ausstellenden Künstler genutzt werden.
Die rein ausstellende Form der Belebung wird kaum einen Menschen in die Innenstadt locken. Dagegen kann eine Ansiedlung von Künstlern und Kunsthandwerkern in Verbindung mit Kultur- und Bildungsangeboten die Innenstadt bevölkern.
Das kreative Schaffen und Treiben wird ebenso den Tourismus anziehen. Kreative Vielfalt und Einzigartigkeit sind gefragt, nicht die Ladenketten, die wir in jeder Stadt vorfinden. Das Besondere und Außergewöhnliche lockt die Besucher.
Aufgabe ist es, einen Ort Innenstadt zu gestalten, der den Besucher zum Verweilen und Stöbern anregt und zugleich zum Wiederkommen.

( Matthias Eule )

 

„ Eschweger Kunstwege II.“

 

Auf künstlerische Art und Weise Gegenwart reflektieren und Visionen projizieren.

 

Der Kunstwettbewerb „Eschwege auf neuen Wegen“ bietet die ideale Plattform, diesen in der Einführung beschriebenen Prozess zu beginnen. In einem vorhandenen Leerstand soll eine Art Experiment-Leerstandlabor entstehen.

Es wird eine Ebene geschaffen, auf der jeder sich bewegen kann. Das Labor lebt und wächst mit der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, es wird Spiegel der Eschweger Bevölkerung.

 

Das Leerstandlabor bietet Raum zum gedanklichen Austausch, kreative Möglichkeiten,

eine Plattform zum Entwickeln neuer Stadtideen. Das spontane Gespräch mit jedermann ist gewünscht, ebenso die Gesprächsrunden, zu denen gesondert eingeladen wird. Kunst wird entstehen, man wird sie reflektieren können, sie wird ein Schlüssel zum Gespräch sein.

 

Alles was in dem Labor entsteht und sich bewegt, wird dokumentiert.

Dies bedeutet, dass ich für meine Konzeption des Leerstandlabors über die Kategorie bloßer Repräsentation und Inszenierung hinausdenke:

Das Labor ist eine Live-Installation, die nicht nur ein ästhetischer, sondern auch ein moralischer Akt sein wird. Eine konstruierte Situation, ein Mittel, sich dem wachsenden Leerstand zu nähern, ihn zu beschreiben, ihn als positive Zeitspanne zu erkennen und auf diese Weise die unerlässliche Grundlage für die Entwicklung neuer, freierer, kreativer Innenstadtsituationen zu legen. 

 

Das Experiment Leerstandlabor wird mit der Außenwelt verbunden.

Die Tür des Experiment Leerstandlabors steht von Montag bis Samstag, in der Zeit von 9.30 Uhr bis 18 Uhr offen.

Darüber hinaus wird ein Gesprächsforum ermöglichen, dass die Außenwelt aktiv an dem Prozess beteiligt ist.

 

Für den Zeitraum des Kunstwettbewerbs wird das Experiment Leerstandlabor Eschwege zum Kunstprojekt verwandeln. Die gesamte Stadt wird somit zum Labor erhoben, das weltweit miterlebt und verfolgt werden kann. Die Bürgerinnen und Bürger Eschweges werden über die Medien aufgefordert, sich direkt und aktiv diesem Prozess vor Ort zu stellen. Sie haben die direkte Chance, den existierenden Leerstand zu bewegen und zu verwandeln.

 

Es ist geplant, eine Dokumentation über das Experiment Leerstandlabor zu erstellen, die zeigen wird, wie sich das Experiment entwickelt hat und in der Bevölkerung angenommen, wahrgenommen wurde. Ein spannendes Experiment, das Vorbildcharakter für viele andere Städte haben kann! Die Bürgerinnen und Bürger werden entscheiden, welche Ergebnisse im Experiment Leerstandlabor entstehen. Sie werden es sein, die das zur Zeit irritierende Portrait der Stadt und ihrer Bewohner verwandeln.

 

Hatte der öffentliche Kunstbetrieb von politischer Seite aus Jahrzehnte lang Geringschätzung erfahren, war er allenfalls als dekoratives Beiwerk willkommen, so schlägt dies nun in das Gegenteil um, wird er es sein, der die Verödung der Innenstädte stoppen könnte und neue Wege und Entwicklungschancen bietet.

 

Wie ein gutes Gespräch das Leben bereichert, so wird der Kunstbetrieb das Leben in Eschwege für den Zeitraum des Kunstwettbewerbes bereichern. Das Experiment Leerstandlabor wird die Sprachlosigkeit in einen kreativen, sozialgemeinschaftlichen Prozess verwandeln.

Eschwege wird neue Wege gehen, Kunstwege.

Das Experiment kann beginnen!  

 

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