Resümee

Idee – Konzeption - © by Matthias Eule Kassel Juni 2005

resümee

Vorschläge gab es viele, doch wo ist die neue, alles lösende Idee?
Die mühsame Suche nach der schnellen Lösung zeigt, dass am Ende nicht der Begriff „schnell" sondern „realistisch" steht. Das Phänomen Stadtschrumpfung ist hinsichtlich Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung aus heutiger Sicht nicht ausschließlich eine Negativtendenz, es ist vielmehr eine Chance, vielfältige Vorschläge und prozesshafte, innovative Strategien zu entwickeln. Die Entwicklung einer Leitidee, die das positive Image städtischer Verkleinerungsprozesse als Grundvoraussetzung sieht, ermöglicht eine Stärkung lokaler Identität. 
Die Aufgabe wird sein, innovative Ansätze für eine kunden-, dienstleistungs- und imageorientierte Stadtentwicklung zu erarbeiten. Dies ist einseitig von Seiten der Politik nicht möglich und wenig sinnvoll. 
Das kommunale Management ist aufgerufen, neue Wege zu entwickeln. Wirtschaftsentwicklung, neue städtische Lebensqualitäten sowie die Entwicklung einer neuen Stadtkultur sind oberstes Ziel. 
Es kommt darauf an, bei den Politikern das Bewusstsein für die neue Herausforderung zu schärfen und die Akteure  aus Politik und Bürgerschaft für die Konsequenzen zu sensibilisieren. Für dieses Neuland gibt es keine Erfahrungen und Beispiele, auf die man zurückgreifen kann. Viele Kommunen und Städte erarbeiten, entwickeln zurzeit neue Wege in diesem Bereich. Die Städte sind mit einer völlig neuen Aufgabe konfrontiert. 
Es entwickelt sich dabei ein neues Bewusstsein, eine neue Strategie, die Bürgerinnen und Bürger mit ins Boot zu holen. Gerade dies ist die Chance für die Zukunft, eine neue soziale, kulturelle und technische Infrastruktur zu schaffen. Die heutige Entwicklung - einerseits wachsende, expandierende, andererseits immer weiter schrumpfende Städte und Gemeinden - erzeugt gegenläufige Faktoren. 
Die wachsende, expandierende Stadt ist meist eine aus demographischer Sicht junge Stadt. Die sich in die gegenteilige Richtung bewegende Kommune oder Stadt, ist tendenziell, demographisch betrachtet, eine immer älter werdende Stadt. Der Wegzug von Arbeitswilligen durch Arbeitsstellenmangel sowie der Rückgang der Geburtenrate lassen die Einwohnerschaft immer älter werden. Eine solche Stadt bzw. Kommune wird sich anders, neu orientieren und entwickeln müssen. Sie wird ihre Infrastruktur dem älteren Bürger anpassen müssen, um effizient zu werden. Neu entwickelt werden müssen hier Konzepte, die das bauliche, soziale, ökologische, wirtschaftliche, verwaltungsmäßige und kulturelle Gefüge der wachsenden älteren Bevölkerung sinnvoll anpassen. Dies geht nur, wenn die älter werdenden Bürgerinnen und Bürger in die Planungen integriert werden. 
Eine solche Entwicklung wird einzig individuell von Kommune zu Kommune neu geplant werden können. 
Hat man dies verstanden und umgesetzt, wird die sich daraus entwickelnde Stadt bzw. Kommune eine lebenswerte, die den Veränderungsprozess positiv für sich nutzen kann. Dies ist die Basis, auf der sich wiederum zukünftige positive Entwicklungen - zum Beispiel wirtschaftliche - aufbauen werden. Zugleich wird den negativen Entwicklungen entgegengesteuert, sie werden damit abgeschwächt. Deutlich wird, dass die Suche nach Entwicklungspfaden jenseits von Wachstum zu beschreiten ist, damit die Folge der eintretenden positiven Entwicklung das Wachstum zu einem späteren Zeitpunkt ermöglicht. 
Wirtschaftliches Wachstum wird sicherlich kommen, doch erst, wenn die Kommune sich so entwickelt hat, dass sie von außen als effizient und positiv wahrgenommen wird. 
Eschwege gehört zu der Kategorie Stadt, die einen enorm wachsenden Anteil an älteren Menschen hat. 
Der Wegzug der jüngeren Bevölkerung ist nicht zu vernachlässigen, so dass die Stadt, wenn sie ihre Chance und zugleich ihre Aufgabe nicht erkennt, eines Tages vor der Problematik der Überalterung steht. 
Um dem entgegenzusteuern, ist es sinnvoll, Politik und Bevölkerung an einen Tisch zu bringen, damit der oben beschriebene Prozess in Gang gesetzt werden kann. Es wird keine leichte Aufgabe sein, keine, die schnell zu lösen ist. Beide Seiten gilt es zum heutigen Zeitpunkt intensiv zu sensibilisieren. 
Die Arbeit im „Experiment Leerstandlabor" hat deutlich gemacht, dass beide Seiten bereit sind, ihre Stadt neu zu planen. Sicher ist der Wunsch nach einer wachsenden Stadt in vielen Köpfen, doch gerade ihn gilt es zu verabschieden. Es ist nicht sinnvoll, alten Zeiten hinterher zugehen; die heutige Zeit benötigt ein neues Bewusstsein. Zurzeit wird viel über den Wunsch gesprochen, über das „Was wäre wenn?", doch dies blockiert den neuen Denkansatz. Sinnvoll ist es zu betrachten, was vorhanden ist. Der wahre Ansatz ist, positiv und mutig an die Aufgabe zu gehen. 
Eschwege hat einen großen Vorteil: Die Stadt ist klein und hat bereits eine älter werdende Bevölkerungsschicht, die aktiv denkt und lebt. Die vielfältigen Gespräche im „Experiment Leerstandlabor" haben gezeigt, dass diese Bürgerinnen und Bürger - würde man sie darum bitten - bereit wären, intensiv mitzuarbeiten. 
Ein enormes und vielseitiges Potential ist vorhanden, dies gilt es zu aktivieren. 
Darüber hinaus kann sich Eschwege bundesweit zu einer Modellstadt entwickeln und so Aushängeschild für die Region und Vorbild für andere Städte und Gemeinden werden. Dies würde die Stadt aus dem „Dornröschenschlaf" holen und in die erste Reihe stellen. 
Die Stadt kann wieder zum Anziehungspunkt werden, sie kann wieder wachsen und sich verjüngen. Neue Arbeitsplätze werden entstehen, Eschwege wird neu aufblühen. Das Image wäre ein Neues. 
Die heute enttäuschte und entmutigte Bürgerschaft wird einen neuen Stolz entwickeln, sie wird ihre Stadt neu lieben lernen. Um dies zu erreichen, benötigt Eschwege dringend die gemeinsame Planungs- und Entwicklungsarbeit in Politik und Bevölkerung .Bewusst erwähne ich hier nicht die Wirtschaft, da sie ein wichtiger Bestandteil der Bevölkerung ist. Der erste Schritt wird sein, die Bürgerinnen und Bürger heute dort zu treffen, wo sie sind, sprich eine Einrichtung zu schaffen, die diesen oben skizzierten Prozess in Gang setzt. 
Zu denken wäre an einen Laden, eine für jedermann zugängliche Einrichtung. In diesem Laden, nennen wir ihn „Ideenladen der Bürgerschaft", werden Ideen über einen festgelegten Zeitraum gesammelt. Auf scheinbar provokante Art wird ein Dialog angeregt, der eine völlig neue Herangehensweise beinhaltet. Nicht die gewählte Politik wird sich um die Lösungen bemühen, der Bürgerschaft wird ein Stück Selbstverantwortung zurückübertragen. Damit hat sie die Chance und die positive Kraft, an der eigenen Stadt direkt und engagiert mitzuentwickeln. Der „Ideenladen der Bürgerschaft" ist für alle Generationen. Am Ende dieser ersten Phase steht die Auswertung. Auf ihr basierend wird es wichtig sein, ein übergeordnetes Gremium zu bilden, das proportional den Anteil der jeweiligen Bürgerschaft, demographisch gesehen, beinhaltet, sowie Teile aus Wirtschaft und Politik. Die eigentliche Arbeit der Stadtentwicklung wird hier beginnen. Dies ist die Chance für die Zukunft, eine neue soziale, kulturelle und technische Infrastruktur zu schaffen, die Eschwege effizient, innovativ und lebenswert gestalten wird. 
Betrachtet man aus dieser Gesamtsicht die Arbeit im „Experiment Leerstandlabor", gewinnt der Wert des Labors und wird zum Vorreiter der kommenden Stadtentwicklung. 
Möge der Prozess der Stadtentwicklung Eschweges, positiv weitergeführt werden. 
Hierfür wünsche ich Eschwege viel Erfolg und bedanke mich für die sehr vielfältige und umfassende Unterstützung.

 

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